Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus
DOI:
https://doi.org/10.31269/x0yn3627Keywords:
Faschismus, Kapitalismus, digitaler Faschismus, digitaler KapitalismusAbstract
Worum handelt es sich beim digitalen Faschismus? Was ist der digitale Kapitalismus? Und in welchem Verhältnis stehen die beiden zueinander? Dieser Artikel theoretisiert den digitalen Faschismus als eine zeitgenössische Form des rechten Autoritarismus, der im Kapitalismus verwurzelt ist und durch digitale Infrastrukturen neu organisiert wird. Aufbauend auf der Analyse des Autoritarismus durch die Frankfurter Schule wird Faschismus neu konzeptualisiert als terroristische, antidemokratische Organisationsform – charakterisiert durch Führerkult, Nationalismus, Freund-Feind-Schema und militantes Patriarchat –, deren Wiederaufleben durch kapitalistische Krisen beschleunigt wird. Der Artikel entwickelt einen dualen Rahmen: Faschistische Praktiken (Kognition, Kommunikation, Koproduktion) und digitale Strukturen (Plattformen, Algorithmen, Datafizierung) erzeugen sich wechselseitig, wodurch nutzergenerierter Hass, postfaktische Propaganda, algorithmisches Targeting, Cyberangriffe und digital vermittelte Gewalt ermöglicht werden. Zehn historische Hypothesen zeichnen den Wandel von Rundfunkpropaganda zu Influencer-Netzwerken, von Straßenmilizen zu teilweise automatisierten Konflikten und von offener Antidemokratie zu „schleichendem“ Autoritarismus nach, der demokratische Legitimität für sich beansprucht. Unter Einbeziehung politökonomischer Belege zeigt der Artikel, wie wichtige Teile des digitalen Kapitals, des Finanzkapitals und des fossilen Kapitals/Transportkapitals aufkommende autoritäre Projekte finanzieren und legitimieren und sich so ein autoritärer digitaler Kapitalismus herausbildet, dessen Grenze zum digitalen Faschismus durchlässig ist. Die Schlussfolgerung plädiert für eine digitale Demokratie, die der Verschmelzung von Großunternehmen und Großmacht im digitalen Zeitalter entgegenwirkt.
Acknowledgement: Dieser Beitrag wurde zuerst in der Zeitschrift Philosophy & Social Criticism veröffentlicht. Unter Verwendung einer CC-BY-Lizenz wurde der Originalbeitrag ins Deutsche übersetzt und wird auf Basis dieser Lizenz in tripleC veröffentlicht. Originalveröffentlichung:
https://doi.org/10.1177/01914537261434922
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